pu­blity Per­for­mance Fonds 6, 7 und 8

In­ter­es­sen­kon­flikte bei pu­blity Per­for­mance Fonds – was tut die Ver­wahr­stelle CACEIS?

Der pu­blity Per­for­mance Fonds Nr. 6 mel­det rät­sel­hafte.. Trans­ak­tio­nen: Vier Im­mo­bi­lien aus dem Be­stand des Fonds sind an die Mün­che­ner Im­mo­bi­lien Cen­ter AG (Mu­nIC AG) ver­kauft wor­den. Eine Trans­ak­tion, die nach dem Pro­spekt des pu­blity Per­for­mance Fonds Nr. 6 ei­gent­lich un­zu­läs­sig sein müsste. Denn der Pro­spekt ver­bie­tet an meh­re­ren Stel­len „In-​sich-​Geschäfte“ des Fonds mit Per­so­nen oder Un­ter­neh­men aus dem In­itia­to­ren­kreis. Eine für die An­le­ger des Fonds sehr wich­tige Re­ge­lung! Denn mit die­sem Ver­bot sol­len In­ter­es­sen­kon­flikte mi­ni­miert wer­den, die sonst in ei­nem Opportunity-​Blindpool wie dem pu­blity Per­for­mance Fonds Nr. 6 ganz schnell die Er­geb­nisse für die An­le­ger ver­rin­gern kön­nen.

Diese Spiel­re­geln wer­den aber of­fen­bar nicht mehr ein­ge­hal­ten. Auf bei­den Sei­ten des Im­mo­bi­li­en­ver­kaufs von Fonds Nr. 6 an die Mu­nIC AG steht, je­den­falls hin­ter den Ku­lis­sen, der glei­che Kopf: Nicht nur die publity-​Gruppe ein­schließ­lich der Publikums-​Fonds wird von Tho­mas Olek be­herrscht, auch an der Mu­nIC AG ist Tho­mas Olek maß­geb­lich be­tei­ligt (und zwar per An­fang Mai 2018 mit 62 %, teils di­rekt, teils über Zwi­schen­ge­sell­schaf­ten; ak­tu­el­ler Stand nicht er­neut re­cher­chiert). Der klas­si­sche Fall des „In-​sich-​Geschäfts“ liegt also vor, so­bald man hin­ter die pa­pier­dün­nen ge­sell­schafts­recht­li­chen Ku­lis­sen schaut. Of­fen­sicht­lich wer­den auch für die Fol­ge­fonds Nr. 7 und Nr. 8 sol­che „In-​sich-​Geschäfte“ vor­be­rei­tet. (Je­den­falls spricht die publity-​Zentrale in mails an die Kun­den­be­ra­ter selbst von Im­mo­bi­lien aus ver­schie­de­nen Fonds, die an die Mu­nIC AG ver­äu­ßert wer­den sol­len – die bis­he­ri­gen Trans­ak­tio­nen dürf­ten also nur die Vor­bo­ten wei­te­rer „In-​sich-​Geschäfte“ sein, die auch die Fonds Nr. 7 und Nr. 8 be­tref­fen.)

Tho­mas Lip­pert, Vor­stand des Ak­ti­ons­bun­des Ak­ti­ver An­le­ger­schutz e.V., Ber­lin: „Nicht nur der In­ter­es­sen­kon­flikt in der Per­son von Tho­mas Olek stört uns. Stut­zig macht uns auch, was zu den Prei­sen der Trans­ak­tion ge­sagt wird. Nach den ei­ge­nen Bewertungs-​Unterlagen, mit de­nen die Mu­nIC AG um Zeich­ner für ihre Ak­tien wirbt, wurde das An­fangs­port­fo­lio an Im­mo­bi­lien an­geb­lich um 10 % un­ter Markt­preis er­wor­ben. Das sind aber ex­akt die Im­mo­bi­lien, die aus dem pu­blity Per­for­mance Fonds Nr. 6 stam­men! Wir ha­ben da­her den Ver­dacht, dass die An­le­ger des Fonds Nr. 6 über­vor­teilt wor­den sind, um für die Mu­nIC AG gute Start­vor­aus­set­zun­gen dar­stel­len zu kön­nen.“

Un­klar ist auch, ob die Auf­sichts­re­geln ein­ge­hal­ten wur­den. Der pu­blity Per­for­mance Fonds Nr. 6 ist im Jahre 2013 als voll durch­re­gu­lier­ter „Al­ter­na­ti­ver In­vest­ment Fonds“ (AIF) nach der eu­ro­päi­schen AIFM-​Richtlinie auf­ge­legt wor­den. Also al­les ganz trans­pa­rent, ganz ehr­lich, ganz sau­ber – so das Ver­spre­chen an die An­le­ger, die sich an die­sem Fonds be­tei­ligt ha­ben. Es gibt eine un­ab­hän­gige Bank als Ver­wahr­stelle, die CACEIS Bank Deutsch­land GmbH (heute CACEIS Bank S.A., Ger­many Branch), eine Toch­ter der fran­zö­si­schen Groß­bank Cré­dit Agri­cole. Diese Ver­wahr­stelle hat nach dem Ka­pi­tal­an­la­ge­ge­setz­buch den Auf­trag, alle re­le­van­ten Trans­ak­tio­nen des Fonds zu prü­fen. Ganz wich­tig: Wenn Im­mo­bi­lien des Fonds ver­kauft wer­den, muss CACEIS vor­her zu­stim­men. Dies hebt auch der Pro­spekt an meh­re­ren Stel­len her­vor und stellt es als wich­ti­ges Si­che­rungs­mit­tel zu­guns­ten der An­le­ger dar. Warum also hat CACEIS den mut­maß­lich zu bil­li­gen Ver­kauf der vier Im­mo­bi­lien von Fonds Nr. 6 an die MunIC-​Neugründung von In­itia­tor Tho­mas Olek nicht un­ter­bun­den? Eine Nach­frage von Fi­nanz­be­ra­tern, die zahl­rei­che Kun­den des Fonds Nr. 6 ver­tre­ten, liegt seit Wo­chen bei CACEIS vor – eine Ant­wort ist noch nicht er­folgt.

Tho­mas Lip­pert vom AAA: „Wir wer­den diese Vor­gänge nicht auf sich be­ru­hen las­sen. Ge­mein­sam mit der An­walts­kanz­lei Schirp & Part­ner Rechts­an­wälte mbB wer­den wir die wirt­schaft­li­chen und recht­li­chen Hin­ter­gründe wei­ter auf­klä­ren. An­le­ger der publity-​Fonds, aber auch alle se­riö­sen Fi­nanz­be­ra­ter, die von dem Thema be­trof­fen sind, kön­nen sich dem AAA an­schlie­ßen.“
Quelle: Ak­ti­ons­bund

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