Dem Fis­kus ent­geht künf­tig nichts

von Ti­bet Neu­sel. In: Der Ta­ges­spie­gel, 15. Ok­to­ber 2004:

Ei­gent­lich sol­len die Fi­nanz­äm­ter den An­ga­ben der Steu­er­pflich­ti­gen ver­trauen. Das be­stim­men die Grund­sätze der Neu­or­ga­ni­sa­tion der Fi­nanz­äm­ter – GNOFÄ. Doch nicht im­mer will das ge­lin­gen. Die Ehr­lich­keit von Rent­nern je­den­falls scheint dem Fis­kus zwei­fel­haft. Des­halb wird zu­sam­men mit der Steuer auf Ren­ten nach dem Al­ters­ein­künf­te­ge­setz auch ein Kon­troll­sys­tem ein­ge­führt. Ab 2005 muss je­der, der eine Rente aus­zahlt, dies ei­ner zen­tra­len Stelle bei der Bun­des­ver­si­che­rungs­an­stalt für An­ge­stellte (BfA) mit­tei­len. Auf diese Da­ten kön­nen die Fi­nanz­äm­ter zu­grei­fen – Rent­ner wer­den künf­tig flä­chen­de­ckend er­fasst.

Das löst ein al­tes Pro­blem. Rent­ner sind näm­lich seit je­her ver­däch­tig, Steu­ern zu hin­ter­zie­hen. Die so ge­nannte deut­sche Steu­er­ge­werk­schaft be­haup­tet, dass rund 300 000 äl­tere Mit­bür­ger Ka­pi­tal­ein­künfte und Ver­mie­tungs­ein­künfte an der Steuer vor­bei er­wirt­schaf­ten wür­den. Da­hin­ter steht die Vor­stel­lung, dass sie ihr gan­zes Ar­beits­le­ben lang ge­spart und Spar­bü­cher und Im­mo­bi­lien an­ge­häuft ha­ben. Die we­nigs­ten hät­ten dar­aus aber die Kon­se­quenz ge­zo­gen, ihre Ka­pi­tal­erträge zu er­klä­ren. Ab 1. April 2005 gibt es hier Ab­hilfe: Die Fi­nanz­be­hör­den kön­nen bun­des­weit on­line ab­fra­gen, wer bei wel­chen Ban­ken ein Giro-, Spar- oder De­pot­konto un­ter­hält. Das hätte aber ohne die zen­trale Stelle nichts ge­nützt, da die meis­ten Rent­ner steu­er­lich nicht ge­führt wur­den. Und die Fi­nanz­äm­ter müs­sen schließ­lich erst ein­mal wis­sen, wes­sen Da­ten sie ab­fra­gen soll­ten. Nun­mehr wer­den sie um­fas­send mit den per­sön­li­chen Da­ten der Ren­ten­emp­fän­ger ver­sorgt. Aus der Höhe der Rente kön­nen die Fi­nanz­be­am­ten dann un­schwer das frü­here Ge­halt hoch­rech­nen und an­schlie­ßend mut­ma­ßen, was der Steu­er­pflich­tige in den Jah­ren sei­nes Ar­beits­le­bens an­ge­legt und ge­spart hat. Dann kann das Fi­nanz­amt die In­for­ma­tio­nen bei den Ban­ken ab­ru­fen. Und: Da­für ist noch nicht ein­mal ein Ver­dacht nö­tig. Der Be­trof­fene be­kommt da­von nichts mit. Es sei denn, es wird spä­ter ein Straf­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.

Für wohl­ha­bende Rent­ner wird sich da­mit ab dem kom­men­den Jahr ei­ni­ges än­dern, und wer tat­säch­lich Ver­mö­gen nicht an­ge­ge­ben hat, kann jetzt noch das „Straf­be­frei­ungs­er­klä­rungs­ge­setz“ in An­spruch neh­men. Die­ses Ge­setz bie­tet – üb­ri­gens al­len Bür­gern – bis zum 31. März 2005 die Mög­lich­keit, ver­schwie­gene Er­träge nach­zu­er­klä­ren und die Steu­ern pau­schal nach­zu­zah­len. Vom 1. April 2005 an ist da­mit Schluss.

Der Au­tor ist Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Steu­er­recht und So­zius der Ar­ro­cha, Beyer und Neu­sel Rechts- und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft bR

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