P&R-Insolvenzen: Haf­tung der BA­Fin? An­wälte prü­fen Mus­ter­kla­gen

Schirp und Part­ner Rechts­an­wälte mbB und Ak­ti­ons­bund Ak­ti­ver An­le­ger­schutz e.V. (AAA) bün­deln An­le­ger für ein ge­mein­sa­mes Vor­ge­hen

Die Lage bei P&R wird von Tag zu Tag be­droh­li­cher für die An­le­ger…:

    • Mitt­ler­weile hat auch die P&R Transport-​Container GmbH ei­nen In­sol­venz­an­trag ge­stellt. Dies ist die Emit­ten­tin der ab 2017 auf­ge­leg­ten pro­spekt­pflich­ti­gen Ver­mö­gen­an­la­gen (Se­rie 5001 ff.). Dort sind ca. 14.900 An­le­ger mit ei­ner In­ves­ti­ti­ons­summe von ca. 400 Mio. EURO en­ga­giert. Auch das wei­tere Kon­zern­un­ter­neh­men P&R AG hat In­sol­venz­an­trag ge­stellt.
    • Bei den drei P&R-Gesellschaften, die be­reits am 15.03.2018 In­sol­venz­an­trag ge­stellt hat­ten, lässt sich nach An­ga­ben des vor­läu­fi­gen In­sol­venz­ver­wal­ters Dr. Jaffé für ca. 90 % der An­le­ger kein Ei­gen­tum an kon­kre­ten Con­tai­nern zu­ord­nen. Wenn diese Ein­schät­zung sich er­här­tet, dann sind die An­le­ger in ei­ner viel schlech­te­ren Po­si­tion als bei der ver­gleichs­weise glimpf­lich ab­lau­fen­den Magellan-​Insolvenz. Denn dann sind die An­le­ger nicht als Ei­gen­tü­mer der Con­tai­ner aus- oder ab­son­de­rungs­be­rech­tigt, und sie sit­zen in den In­sol­venz­ver­fah­ren nicht als ernst­zu­neh­mende Ver­fah­rens­be­tei­ligte mit am Tisch. Dann dürf­ten die al­ler­meis­ten An­le­ger bloße Quo­ten­gläu­bi­ger sein. Hinzu kommt, dass nach Er­mitt­lun­gen des an­ge­se­he­nen Bran­chen­ex­per­ten Ste­fan Loip­fin­ger Gel­der nicht auf die vor­ge­se­he­nen Kon­ten flos­sen und des­halb Tau­sen­den von An­le­gern noch keine Stan­dard­con­tai­ner über­eig­net wur­den.

    • Nach wei­te­ren Aus­sa­gen des vor­läu­fi­gen In­sol­venz­ver­wal­ters sind „vor al­lem in den Jah­ren 2016 und 2017 Con­tai­ner ver­äu­ßert wor­den, um die Mie­ten zu zah­len und Rück­käufe zu tä­ti­gen“. Wenn diese Ein­schät­zung stimmt, dann könnte es sich um mas­sive Straf­ta­ten han­deln, die vom frü­he­ren Ma­nage­ment zu ver­tre­ten sind. Und eine nam­hafte Zahl von Con­tai­nern ist schlicht nicht mehr vor­han­den.

An­ge­sichts die­ser Ka­ta­stro­phe prü­fen Schirp & Part­ner Rechts­an­wälte mbB, ob der Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BA­Fin) Ver­stöße ge­gen ihre Auf­sichts­pflich­ten an­zu­las­ten sind.

    • Schon das pas­sive Ver­hal­ten der Auf­sicht bis ein­schließ­lich 2016 fällt un­an­ge­nehm auf. P&R hat sich ein „Katz-​und-​Maus-​Spiel“ mit dem Ge­setz­ge­ber und der BA­Fin ge­lie­fert. Bei an­ge­mes­se­ner Aus­le­gung und An­wen­dung der Ge­setze hät­ten be­reits die Emis­sio­nen des Jah­res 2016 ei­ner Pro­spekt­pflicht samt Prü­fung durch die BA­Fin un­ter­lie­gen müs­sen. Bran­chen­ex­perte Loip­fin­ger: „Die BA­Fin hat ihre Sorg­falts­pflich­ten im Fall P&R nicht er­füllt. Der vom Ge­setz­ge­ber vor Jah­ren ver­an­kerte Auf­trag des kol­lek­ti­ven An­le­ger­schut­zes wird nicht ernst ge­nom­men.“

    • Rechts­an­walt Dr. Wolf­gang Schirp, Ber­lin: „Bei den An­ge­bo­ten des Jah­res 2017 stel­len sich noch weit­aus erns­tere Fra­gen. Ins­be­son­dere er­sieht man aus den P&R-Unterlagen – spä­tes­tens seit dem „Nach­trag Nr. 1″ zum An­ge­bot 5001 -, dass die Zah­lungs­flüsse nicht wie pro­spek­tiert statt­fan­den. Man­gels Zah­lung an die Schwei­zer P&R-Gesellschaft wa­ren auch noch keine Con­tai­ner über­eig­net wor­den. Statt­des­sen gab es ein Ver­rech­nungs­konto mit ei­ner deut­schen P&R-Gesellschaft. Nur: Die An­le­ger ha­ben die ver­spro­che­nen Con­tai­ner nicht er­hal­ten, ob­wohl da­für die Frist ei­gent­lich nur 90 Tage be­trug. Diese Ab­läufe hät­ten bei der Auf­sicht min­des­tens ernste Fra­gen auf­wer­fen müs­sen“.

Wä­ren die sich auf­drän­gen­den Fra­gen ge­stellt wor­den, so hät­ten je­den­falls die „spä­ten“ In­ves­to­ren bei P&R vor ih­rem In­vest­ment ge­schützt wer­den kön­nen – er­heb­li­cher Scha­den wäre ih­nen er­spart ge­blie­ben. Die An­le­ger­schüt­zer prü­fen, ob die ge­schä­dig­ten An­le­ger die BA­FIn we­gen Ver­nach­läs­si­gung ih­rer Auf­sichts­pflicht in An­spruch neh­men kön­nen. Zwar ver­sucht der Ge­setz­ge­ber, Amts­haf­tungs­an­sprü­che ge­gen die BA­Fin aus­zu­schlie­ßen. Hier­auf zielt die ge­setz­li­che Vor­schrift in § 4 Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sichts­ge­setz (Fin­DAG), wo­nach die BA­Fin ihre Auf­ga­ben aus­schließ­lich im öf­fent­li­chen In­ter­esse wahr­nimmt. Schirp & Part­ner, die in die­ser Frage eng mit dem Ak­ti­ons­bund Ak­ti­ver An­le­ger­schutz e.V. (AAA) zu­sam­men­ar­bei­ten, in dem be­reits meh­rere hun­dert P&R-Geschädigte or­ga­ni­siert sind, wol­len je­doch ge­mein­sam für alle be­trof­fe­nen An­le­ger po­li­ti­schen und me­dia­len Druck auf­bauen. Au­ßer­dem prüft die Kanz­lei Schirp, ob sich aus eu­ro­pa­recht­li­chen Vor­schrif­ten ein He­bel er­gibt, um die BA­Fin je­den­falls bei kras­sen Fehl­leis­tun­gen auch ju­ris­tisch zur Re­chen­schaft zu zie­hen.

Für wei­tere Aus­künfte steht zur Ver­fü­gung:

Schirp & Part­ner Rechts­an­wälte mbB:

Dr. Wolf­gang Schirp
Leip­zi­ger Platz 9
10117 Ber­lin

Tel.: 030-3276170
E-​Mail schirp@​ssma.​de
URL www​.ssma​.de

Quelle: dgap-​Meldung

Copyright © Schirp & Partner Rechtsanwälte | Impressum | Datenschutzerklärung
Zum Seitenanfang