Nord­west In­dus­trie Group GmbH / Zech-​Gruppe (ISIN: DE000A2GSG81) Ag­gres­si­ver Markt­teil­neh­mer sucht fri­sches Geld; was sa­gen Ex­per­ten?

Die Nord­west In­dus­trie Group GmbH be­rei­tet eine Emis­sion von In­ha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen vor. Das Un­ter­neh­men ist dem Ein­fluss­be­reich der Un­ter­neh­mer­fa­mi­lien Zech und Pe­trat zu­zu­ord­nen. Das Ziel­vo­lu­men der neuen In­ha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen be­läuft sich auf 20 Mio. EURO… Eu­ler Her­mes Ra­ting be­wer­tet das Un­ter­neh­men, bei dem es sich um eine nicht ope­ra­tiv tä­tige Be­tei­li­gungs­hol­ding han­delt, mit der Note BBB-. Ein Ra­ting der neu zu emit­tie­ren­den Schuld­ver­schrei­bun­gen selbst liegt nicht vor.

Was ist von der Neu­emis­sion zu hal­ten? Ex­per­ten wei­sen dar­auf hin, dass die Zech-​Gruppe in der Ver­gan­gen­heit durch ei­nen sehr ro­bus­ten Um­gang mit Ka­pi­tal­an­le­gern auf­ge­fal­len ist. Schon der Squeeze-​Out der Min­der­heits­ak­tio­näre bei der Deut­schen Im­mo­bi­lien Hol­ding wurde äu­ßerst ag­gres­siv durch­ge­führt; das Land­ge­richt Bre­men hat im Spruch­ver­fah­ren ei­nen Preis der Ak­tien er­mit­telt, der 2,5 Mal so hoch war wie das ur­sprüng­li­che Ab­fin­dungs­an­ge­bot der Zech-​Gruppe. Aus dem Anleihe-​Bereich ist ins­be­son­dere die na­hezu voll­stän­dige Ent­eig­nung der An­lei­he­gläu­bi­ger der KTG En­er­gie AG in üb­ler Er­in­ne­rung. Ist da ein Mus­ter des Um­gangs mit Klein­an­le­gern zu er­ken­nen?

Rechts­an­walt Dr. Wolf­gang Schirp, Kanz­lei Schirp & Part­ner, Ber­lin. „Es ist ge­rade mal zwei Jahre her, dass un­ter der Re­gie der Zech-​Gruppe die An­lei­he­gläu­bi­ger von KTG En­er­gie mit ei­ner Quote von 3 % ab­ge­speist wor­den sind. Wenn man sich an die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung er­in­nert, die im Fe­bruar 2017 – pas­sen­der­weise in der ent­weih­ten Neu­rup­pi­ner Pfarr­kir­che – statt­ge­fun­den hat, dann könnte man heute noch aus der Haut fah­ren. In­sol­venz in Ei­gen­re­gie, über­stürz­tes Bie­ter­ver­fah­ren mit frag­wür­di­ger Be­wer­tung der vor­han­de­nen As­sets, Mas­se­kre­dit der Zech-​Gruppe mit trick­rei­cher Um­wand­lung in ein nor­ma­les Gläu­bi­ger­dar­le­hen samt Rück­ab­wick­lungs­recht, und dann Über­stim­mung der nor­ma­len An­lei­he­gläu­bi­ger. Mit ei­ner Quote von ge­rade ein­mal 3 % sind die An­lei­he­gläu­bi­ger nach Hause ge­schickt wor­den. Die zu­stän­dige Rich­te­rin des Neu­rup­pi­ner Amts­ge­richts hat die „wun­der­same Dar­le­hens­ver­wand­lung“ ab­ge­seg­net. Kein Wun­der, dass die an­ge­se­hene Jour­na­lis­tin Ger­trud Hussla ih­ren Handelsblatt-​Artikel vom 03.02.2017 mit „Bloß noch ein Häuf­chen Mist“ ti­tu­liert hat. Ich kann nur sa­gen: Da wurde mit ganz har­ten Ban­da­gen ge­spielt.“

Rechts­an­wäl­tin Dr. Su­sanne Schmidt-​Morsbach, Kanz­lei Schirp & Part­ner, Ber­lin: „Die neuen In­ha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen, die die Zech-​Gruppe emit­tie­ren will, sind un­be­si­chert. Das Ra­ting mit BBB- ist zwar ge­rade noch In­vest­ment Grade, be­zieht sich aber nur auf das Un­ter­neh­men selbst. Ein Ra­ting der In­ha­ber­schuld­ver­schrei­bun­gen, für des­sen Rich­tig­keit Eu­ler Her­mes dann auch haf­ten würde, liegt nicht vor. Die Emit­ten­tin hat sich zwar durch Ge­winnthe­sau­rie­run­gen in den letz­ten Jah­ren eine ver­bes­serte Ei­gen­ka­pi­tal­struk­tur er­ar­bei­tet, dies kann sich aber ganz schnell än­dern. Man muss als In­ves­tor viel Ver­trauen mit­brin­gen, um sich hier zu en­ga­gie­ren. An­ge­sichts des Um­gangs der Zech-​Gruppe mit An­le­gern in der Ver­gan­gen­heit fällt uns dies sehr schwer.

Für wei­tere In­for­ma­tio­nen ste­hen zur Ver­fü­gung:
Dr. Wolf­gang Schirp und Dr. Su­sanne Schmidt-​Morsbach, beide Part­ner der Kanz­lei Schirp & Part­ner Rechts­an­wälte mbB, Leip­zi­ger Platz 9, 10117 Ber­lin, Tel. 030-3276170, mail: schirp@​schirp.​com bzw. schmidt-​morsbach@​ssma.​de; URL: www​.schirp​.com und www​.ach​t​ung​an​leihe​.de

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