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Insolvenz der Deutschen Lichtmiete AG: Interessenkonflikt beim Gemeinsamen Vertreter

Wird die Insolvenzmasse zum Nachteil der Gläubiger ausgehöhlt? 

Mit im­mer grö­ße­rem Un­ver­ständ­nis be­ob­ach­ten An­le­ger­schüt­zer die Vor­gänge im In­sol­venz­ver­fah­ren der Deut­schen Licht­miete AG. In ei­ner Gläu­bi­ger­ver­samm­lung am 13.03.2023 hat der Ge­mein­same Ver­tre­ter One Square Ad­vi­sory Ser­vices S.á.r.l. in Ver­tre­tung der An­lei­he­gläu­bi­ger dem „Ver­kauf“ al­ler wert­hal­ti­gen As­sets der Deut­schen Lichtmiete-​Gruppe an die neue Trä­ger­ge­sell­schaft No­valu­men zu­ge­stimmt, ohne zu­vor ei­nen Be­schluss der An­lei­he­gläu­bi­ger ein­zu­ho­len. Was so pi­kant ist an die­sem „Ver­kauf“: Ein Bar­kauf­preis wird über­haupt nicht ent­rich­tet. Statt­des­sen gibt es nur eine omi­nöse „An­leihe“, die nicht öf­fent­lich be­kannt ist und über de­ren Be­din­gun­gen den Gläu­bi­gern Aus­künfte aus­drück­lich ver­wei­gert wer­den. Was für ein Spiel wird da ge­spielt? Sol­len die In­ves­to­ren, trotz er­heb­li­cher wert­hal­ti­ger As­sets, mit Null Euro nach Hause ge­schickt wer­den? Wel­che Rolle spielt der Ge­mein­same Ver­tre­ter der An­lei­he­gläu­bi­ger, die One Square Ad­vi­sory Ser­vices S.á.r.l. aus dem Be­tei­li­gungs­kreis des bran­chen­be­kann­ten Frank Gün­ther aus München?

Fakt ist: Die One Square Ad­vi­sory Ser­vices S. á.r.l. ist hin­sicht­lich des Ge­sell­schaf­ter­krei­ses iden­tisch mit der Er­wer­ber­ge­sell­schaft, der die As­sets der Deut­schen Lichtmiete-​Gruppe zu­ge­schanzt wer­den, der No­valu­men GmbH. Die Ge­sell­schafts­an­teile der One Square Ad­vi­sory Ser­vices S. á.r.l. ste­hen zu je 50 % im An­teils­be­sitz der Her­ren Frank Gün­ther, Mün­chen (die­ser mit­tel­bar über die C Elf GmbH), und Wolf Wasch­kuhn, Versoix/​Schweiz. Auch die Ge­sell­schafts­an­teile der No­valu­men GmbH ste­hen mit­tel­bar über meh­rere Zwi­schen­ge­sell­schaf­ten zu je 50 % im An­teils­be­sitz der Her­ren Frank Gün­ther, Mün­chen, und Wolf Wasch­kuhn, Versoix/​Schweiz. Also: Der Ge­mein­same Ver­tre­ter der An­lei­he­gläu­bi­ger hat ohne de­ren vor­he­rige An­hö­rung ei­nem „Ver­kauf“ zu­ge­stimmt, bei dem, wirt­schaft­lich ge­spro­chen, alle wert­hal­ti­gen As­sets an ihn sel­ber über­tra­gen wer­den. Ein kras­se­rer In­ter­es­sen­kon­flikt scheint fast nicht vor­stell­bar, sa­gen Markt­in­si­der, die den Vor­gang fas­sungs­los beobachten.

Was unternimmt das Insolvenzgericht?

Es ver­wun­dert in­so­fern auch nicht, dass ein In­sol­venz­gläu­bi­ger beim In­sol­venz­ge­richt Ol­den­burg ei­nen An­trag auf Auf­he­bung des Be­schlus­ses der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung be­an­tragt hat, da er of­fen­sicht­lich dem ge­mein­sa­men In­ter­esse der In­sol­venz­gläu­bi­ger widerspricht.

Aus dem Ver­kauf der As­sets er­hal­ten die Gläu­bi­ger der Deut­schen Lichtmiete-​Gruppe kei­nen Bar­kauf­preis. So viel ist si­cher. Es fließt also erst ein­mal kein ein­zi­ger EURO. Es soll nur eine omi­nöse „An­leihe“ be­ge­ben wer­den. Aber über diese „An­leihe“ er­hal­ten die Gläu­bi­ger keine In­for­ma­tio­nen. Dem In­sol­venz­ge­richt lie­gen die „An­lei­he­be­din­gun­gen“ nach ei­ge­ner Aus­sage nicht vor, die In­sol­venz­gläu­bi­ger wer­den an den In­sol­venz­ver­wal­ter Weiß ver­wie­sen. Von dort er­hal­ten die In­sol­venz­gläu­bi­ger auch auf wie­der­holte Nach­frage keine Ant­wort. Auch One Square als Ge­mein­sa­mer Ver­tre­ter der An­lei­he­gläu­bi­ger ver­wei­gert die Ant­wort aus­drück­lich. Si­cher ist also nur, dass alle Ver­mö­gens­ge­gen­stände ab­ge­ge­ben wer­den. Völ­lig un­be­kannt ist, wel­che Ge­gen­leis­tung er­folgt, bzw. ob über­haupt je­mals eine Ge­gen­leis­tung erfolgt.

Was pas­siert ei­gent­lich mit der Li­qui­di­tät, die in der neuen Trä­ger­ge­sell­schaft No­valu­men ge­ne­riert wird, zum Bei­spiel durch Miet­zah­lun­gen der ge­werb­li­chen Mie­ter von Leucht­mit­teln und durch Ver­käufe von Leucht­mit­teln? In­si­der be­rich­ten von ei­nem er­heb­li­chen „Ab­sau­gen der Li­qui­di­tät“. One Square stellte an No­valu­men schon mehr­fach Be­ra­tungs­rech­nun­gen in Höhe von mehr als 100.000 EURO mo­nat­lich. Da­bei wer­den Dienst­leis­tun­gen nie­der­ran­gi­ger An­ge­stell­ter ge­gen­über No­valu­men mit Stun­den­sät­zen von EUR 350 netto ab­ge­rech­net. Auch Bahn­fahr­ten zwi­schen Mün­chen und Ol­den­burg wer­den abgerechnet.

Dr. Wolf­gang Schirp, des­sen Kanz­lei eine Viel­zahl von Gläu­bi­gern ver­tritt: „Der bis­he­rige Ab­lauf des In­sol­venz­ver­fah­rens macht uns fas­sungs­los. Wo bleibt die Kon­troll­funk­tion des In­sol­venz­ge­richts? Wie kann es sein, dass der Ge­mein­same Ver­tre­ter der An­lei­he­gläu­bi­ger ei­ner Schwes­ter­ge­sell­schaft mit iden­ti­schem Ge­sell­schaf­ter­kreis Mil­lio­nen­werte zu­schanzt, ohne dass bis­lang ein ein­zi­ger Cent in die In­sol­venz­masse fließt? Wel­che Rolle spielt In­sol­venz­ver­wal­ter Weiß? Wieso dul­det er den kras­sen In­ter­es­sen­kon­flikt in die­sem Ver­fah­ren? Wenn die Gläu­bi­ger in die­sem skan­da­lö­sen Ver­fah­ren ent­rech­tet wer­den wol­len, dann wer­den wir alle Ver­ant­wort­li­chen mit ei­ner Klage überziehen.“

Kanzlei Schirp & Partner erstreitet Urteil im Interesse der Anleger

Dass die Lichtmiete-​Anleger den zwie­lich­ti­gen Vor­gän­gen nicht ta­ten­los zu­se­hen müs­sen, zeigt ein Ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Ol­den­burg vom 7. Fe­bruar 2023, mit wel­chem der No­valu­men GmbH ver­bo­ten wurde, ei­nen Teil der Lam­pen an Dritte zu ver­kau­fen (Ak­ten­zei­chen: 2 U 8/23). Mit der von un­se­rer Kanz­lei er­strit­te­nen Ent­schei­dung stärkte das Ge­richt die In­ter­es­sen der An­le­ger und si­chert die­sen das Ei­gen­tum an den Lam­pen zu.

(18. April 2023)

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